4 Krisen und 1 Todesfall

Vier Menschen. Vier existentielle Krisen. Und alle sterben den einen Tod. Den, den auch Jesus gestorben ist.

Unser neuestes Projekt ist eine Neuinterpretation der katholischen Kreuzwegstationen, die wir zum 3. Ökumenischen Kirchentag 2021 ökumenisch interpretieren. Nämlich im wahren Wortsinne von „ökumenisch“…dass wir, was das Menschsein anbetrifft, alle im gleichen Haus sitzen, alle unter demselben Dach. Und wie es sich anfühlt, wenn das plötzlich einstürzt.

Kennt ihr sowas auch? Oder seid interessiert, was diese 4 Menschen erleben? Einen ersten Einblick in das Programm, das wie immer noch im Werden ist, findet ihr auf der Projektseite 4/ 1.

Schau hin!

Ostermontag: Wenn du liebst

„Wir stürzen uns gerne
Ins Bodenlose und Leere
Nichts was uns hält

Und nehmen keine Rücksicht
Finden nur schön was kaputt ist
Und keinem gefällt
Jeden Raum stecken wir an
Nur wenn es brennt sind wir zusammen‘
Und fühlen uns nah“

"Und sie sprachen untereinander: 
Brannte nicht das Herz in uns, 
als er mit uns sprach"
"Da wurden ihre Augen geöffnet 
und sie erkannten ihn..."

„Und doch fällt’s mir so leicht
An uns zu glauben
Und nichts schlechtes zu sehen
Doch irgendwas sagt mir leise
Wenn du ihn liebst
Dann lass ihn gehen“

Borderline meets Auferstehung; Clueso meets Lukas 24

#HoffnungHamstern
#StärkerAlsDerTod

Facebook-Gruppe „Ostersteine“: https://www.facebook.com/groups/171925047423673/
Die Aktion auf Twitter: twitter.com/hashtag/stärkeralsdertod und twitter.com/hashtag/hoffnunghamstern
Die Aktion auf Instagram: instagram.com/explore/tags/stärkeralsdertod und instagram.com/explore/tags/hoffnunghamstern

Ostersonntag

Wir waren getrennt. Von der Welt, voneinander, von uns selbst.

Dann wurden wir reingelassen. Es hat sich wie sterben angefühlt. Nein, es war anders. Schlimmer. Die andern wollten uns einweisen, es war, als würden sie uns umbringen.

Dann waren wir dort. Wie eingeschlossen. Eine dunkle Höhle. Aber wir haben Kraft bekommen. Irgendwie war es wie Anlaufnehmen.

Und dann haben wir einander den Stein weggerollt!

Alice war mein Engel, in meiner Höhle sitzend, der Eingang offen, der Stein weggerollt. Sie hat gesagt, wenn ich mich selbst suche, müsse ich woanders nachsehen.

Dann sind wir in die aufgehende Sonne gewandert. Gemeinsam, den König direkt vor uns.

Fabian

Ostersamstag

Ich hasse Ostersamstag.

Alle machen so ein Gewese um Karfreitag. Ach, wie traurig, dass er stirbt. Aber er stirbt. Er ist da. Alle sind da und schauen und trauern und fühlen. Aber am Samstag sind alle weg.

Niemand stirbt mehr. Er ist tot. Er ist weg, hinter einem Stein in eine Höhle gepackt. Alle sind weg, in ihren Häusern und Wohnungen. Die Straßen sind leer.

Früher habe ich an Karfreitag gelebt. Sterbend, aber anwesend. Jetzt ist in mir Ostersamstag. Tot. Alle weg. Meine Straßen sind leer. Ich weiß nicht mal, wo ich selbst bin.

Ich hasse Ostersamstag.

Fabian

Karfreitagsgedanken

„Father Ocean, I was wrong.

Years I followed just the sun,

now I see your darkness holds the truth.“

Ich liebe diesen Songtext. Er ist so wahr wie dieser Tag heute.

Die Wahrheit liegt in der Tiefe. Und der Schmerz.

Ich will euch damit nichts sagen. Nicht so direkt jedenfalls.

Wenn ihr die Sonne liebt, liebt sie weiter.

Ich gehe heute auf meine Wahrheitssuche.

Eure Alice.

Fremd und zu Hause

Wir sind weit gefahren. Nicht in die Fremde, aber immerhin in den Süden: Von Rostock über Hamburg an Hildesheim vorbei nach Lamspringe und in das Kloster dort, ins Kalenderzimmer. Was für ein Ort!

Theater-Vortrag im Kloster Lamspringe

Umringt von den Monaten hielt Katharina einen Vortrag über das Fremde und das Zuhause. Und ganz besonders über das Dazwischen. Die Grenzen, die unseren Horizont bilden, und die Schwellen, die wir auf unserem Lebensweg überschreiten. Dazu gab sie dem biblischen Jakob, der später Israel heißen wird, und Nancy, einem französischen Philosophen, der mit Ende 40 ein Herz transplantiert bekommen hat, eine Stimme.

Victor spielte als Fabian zu dem Vortrag Theaterszenen. Fabian ist eine Figur aus Zerrissen und Beschützt, unserem Theaterstück zur Borderline-Thematik. Fabian ist Borderliner und er hat darüber erzählt, dass er selbst für andere der Fremde ist, dass er sich selbst fremd ist, und wie die Diagnose ihn anderen entfremdet hat. Und darüber, dass er einfach mal irgendwo zu Hause sein will.

Mehr über unsere Theater-Vorträge findet ihr hier.

Inmitten von welchen/ die doch sein sollten wie ich/ bin ich allein.

– Fabian

We are Family- bei den „Frühen Hilfen“

Heute waren Alice und Fabian beim regionalen Netzwerktreffen der Frühen Hilfen der Regionen Nord und Nordwest Rostock zu Gast. Zum Thema „Borderline und Elternschaft“ kamen sie mit ihrer faszinierenden und schockierenden Art sich zu lieben genau richtig. Und weil es auch um den Einfluss der (nicht selten undiagnostizierten) Eltern auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit Borderline-Erkrankungen ging, mussten wir uns im Vorfeld noch genauer in die Familienwelten von Alice und Fabian hineinphantasieren. Und haben dabei Alice Mutter und Fabians Stiefmutter so genau kennengelernt, dass es uns auch fasziniert und schockiert hat. Das wiederum ist aufs Publikum übergeschwappt, das im Workshop, der an unsere Theaterszenen anschloss, die Aufgabe hatte, zu überlegen, wie denn Alice und Fabian zu helfen wäre, wenn ihre Liebe in gemeinsamen Kindern gipfeln würde. Und immer größer wird unsere Familienbande. Wir danken dem Amt für Jugend und Soziales der Hansestadt Rostock für diese großartige Auftrittsmöglichkeit und ihre Honorierung.

Auf und davon: mit Rückenwind

Unser zweijähriges Projekt bei der Stadtmission geht zuende. Ist das nicht zum Heulen?

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Ja, lass es raus, Jesus! (c) Fanny Schmoranzer

Das findet jedenfalls unser Jesus. Und fragt sich, ob ihn eigentlich irgendjemand verstanden hat, inklusive sich selbst. Aber wir finden, er und Maria und Martha und unser Publikum und unsere Auftraggeber haben ihre Sache ziemlich gut gemacht und v.a. haben wir uns gut verstanden. Und was kann eigentlich resilienter machen als das? Denn schließlich ist Resilienzarbeit hauptsächlich Beziehungsarbeit, wie wir festgestellt haben.

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Aijaijaijaijai (c) Fanny Schmoranzer

Und für die Pragmatiker: Dies hier ist eine ziemlich erfolgsversprechende Resilienzmaßnahme. So sehen arbeitsalltagstaugliche Gesichter aus. Einfach göttlich!

 

 

 

 

Sind wir nicht alle ein bisschen Borderline?

Wir schreiben an unserem Buch „Seelsorge mit der Borderline“. Jeden Tag bringt uns das ein bisschen an unsere Grenzen. Im Buch versuchen wir ausgehend von den Figuren in unserem Theaterstück Spuren zu Erfahrungen zu legen, die wir als Menschen alle kennen. Seelsorge hat aus unserer Sicht etwas mit Augenhöhe zu tun. Und wenn einem das Gegenüber schräg vorkommt, dann vielleicht nur, weil ich meine eigene Schrägheit noch zu gut vor mir und anderen versteckt habe. Also guckt doch nochmal genauer hin. Was seht ihr in diesem Bild? Es ist unsere Alice. Erkennt ihr ihre und unsere Borderline?

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Dramaqueen (c) Klara Gladisch