OPeRA: Küchenlektionen 2019

Unsere Küchenlektionen sind in eine neue Runde gegangen. Und unsere Maria hat ein neues Gesicht bekommen, nämlich das von Lisa Marie Widmer. Die von Juri Grascht als Martha und Victor Sudmann hingegen sind ein bisschen gealtert. Waaaas? Das ist nur, weil Maria mich immer allein dienen lässt, keift da Martha gleich los. Sag du ihr doch, Herr, dass sie mir helfen soll!

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„Was ist denn in dich gefahren, hier vor unserem Gast so ne Szene zu machen!“ Maria ist entsetzt. Und Jesus? (c) Fanny Schmoranzer

Jesus ist zunächst überfahren, wird dann immer stiller und setzt dann an zur paradoxen Intervention für die dann folgende Mediation.

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Ganz schön blickig, der Jesus. (c) Fanny Schmoranzer

Ich glaube, Mädels, hier ist richtig dicke Luft! Oh ja, und diese Luft will sich Platz machen, weil sonst unsere Martha platzt.

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„Ich bin mein ganzes Leben mit dem falschen Fuß aufgestanden, verdammte Scheiße!“ (c) Fanny Schmoranzer

Aber unser Publikum wusste Hilfe. Im „Topf der Möglichkeiten“ wurden für die arme Martha Strategien zum Wut- und Stressabbau gesammelt.

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Wer bietet mehr? (c) Fanny Schmoranzer

Tanzen gehen oder eine rauchen, bei Freunden auskotzen der bis zehn Zählen, die Situation verlassen oder Hockstrecksprünge machen, einen Wein trinken… Marthas Topf kochte fast über vor Hilfemaßnahmen. Und es ist allemal besser, wenn der „Topf der Möglichkeiten“ überkocht als die Seele.

Uuuurlaub!
Uuuurlaub! (c) Fanny Schmoranzer

Urlaub machen ist auf jeden Falle eine Maßnahme, die spontane HulaHula-Tänze auslöst.

Und Jesu Gleichnis vom Koch entfaltet auf Martha und auf manche Zuschauerin auch eine ganz besondere Wirkung. Das hatte fast was Magisches, fand eine Zuschauerin. Jesus holte Martha in ihrer Küche, in ihrem Leben und in den Mustern ihrer Persönlichkeit ab und führte sie zu einem Blick über den Tellerrand.

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„Und dann trat er zum ersten Mal aus seiner Küche in ein neues Licht“ (c) Fanny Schmoranzer

Wir haben bei der Stadtmission „Resilienz-Theater“ gemacht und zeigen können, dass wir nicht nur gern Theater spielen und glauben, dass mehr gespieltes Drama die Kraft hätte unseren Arbeitsalltag zu entdramatisieren. Sondern, dass Theater und Resilienz tatsächlich eine Menge miteinander zu tun haben. Resilienz braucht die Fähigkeit zum „Als ob“: wenn wir es nicht schaffen unsere Arbeitswelt, unser Privatleben, überhaupt unsere Welt im Ganzen als eine andere, bessere zu denken, als sie ist, werden wir nichts verändern. Resilienz braucht Phantasie und Kreativität, vor allem im Miteinander. Denn die Szenen unseres Alltags unterscheiden sich oft nicht viel von den fiktiven Szenen im Theater und im Film. Wir Menschen sind miteinander verbunden, auf Gedeih und Verderb. Und warum sollten wir nicht das Gedeihen fokussieren? Resilienz hat nämlich was mit Fokussierung und Konzentration, auch mit Reduktion zu tun. Manchmal ist es die eine Tomate, deren Geschmack uns eine neue Welt eröffnen kann. Und manchmal müssen die Zutaten unserer komplexen Welt erst zu einem Sud einköcheln, damit wir eine geschmackvolle Sauce über unser Leben gießen können. Wir brauchen den Sud, Mann! Aber leider verstehen wir das nicht immer. So ging es Jesus aber auch. Was dann hilft sind gute Freunde, bei denen man sich ausheulen und mal ne Nacht pennen kann. Resilienz ist Beziehungsarbeit. Und Beziehungsarbeit ist eine ernste Sache, die vielleicht noch ernsthafter wird, wenn man in ihr eine gewisse Leichtigkeit an den Tag lachen kann. Wer einen Resilienzsong auf den Lippen oder in seiner Playlist parat hat, kann manch dicke Luft vielleicht mit einem einfachen „Ich muss hier raus“ bewältigen…vier Akkorde und ein bisschen frische Luft sind ein erster guter Schritt.

Wir sind zusammen mit dem OPeRA-Team von der Stadtmission Rostock einen guten Weg gegangen. Mit Tobias Pollee, Fanny Schmoranzer und Erdmuthe Großer-Bald haben wir erfahren, wie Arbeit sein kann, wenn man einen Vertrauensvorschuss bekommt, echte Wertschätzung, Lob, Gedankenaustausch, gegenseitige Inspiration und eine große Flasche „famosen Wein“. Wir danken euch für diese wunderbare Arbeitserfahrung, die uns mit Sicherheit resilienter gemacht hat.

Das fröhliche Verbeugen nach dem fantastischen letzten Auftritt. (c) Fanny Schmoranzer
Das fröhliche Verbeugen nach dem fantastischen letzten Auftritt (c) Fanny Schmoranzer