We are Family- bei den „Frühen Hilfen“

Heute waren Alice und Fabian beim regionalen Netzwerktreffen der Frühen Hilfen der Regionen Nord und Nordwest Rostock zu Gast. Zum Thema „Borderline und Elternschaft“ kamen sie mit ihrer faszinierenden und schockierenden Art sich zu lieben genau richtig. Und weil es auch um den Einfluss der (nicht selten undiagnostizierten) Eltern auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit Borderline-Erkrankungen ging, mussten wir uns im Vorfeld noch genauer in die Familienwelten von Alice und Fabian hineinphantasieren. Und haben dabei Alice Mutter und Fabians Stiefmutter so genau kennengelernt, dass es uns auch fasziniert und schockiert hat. Das wiederum ist aufs Publikum übergeschwappt, das im Workshop, der an unsere Theaterszenen anschloss, die Aufgabe hatte, zu überlegen, wie denn Alice und Fabian zu helfen wäre, wenn ihre Liebe in gemeinsamen Kindern gipfeln würde. Und immer größer wird unsere Familienbande. Wir danken dem Amt für Jugend und Soziales der Hansestadt Rostock für diese großartige Auftrittsmöglichkeit und ihre Honorierung.

Auf und davon: mit Rückenwind

Unser zweijähriges Projekt bei der Stadtmission geht zuende. Ist das nicht zum Heulen?

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Ja, lass es raus, Jesus! (c) Fanny Schmoranzer

Das findet jedenfalls unser Jesus. Und fragt sich, ob ihn eigentlich irgendjemand verstanden hat, inklusive sich selbst. Aber wir finden, er und Maria und Martha und unser Publikum und unsere Auftraggeber haben ihre Sache ziemlich gut gemacht und v.a. haben wir uns gut verstanden. Und was kann eigentlich resilienter machen als das? Denn schließlich ist Resilienzarbeit hauptsächlich Beziehungsarbeit, wie wir festgestellt haben.

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Aijaijaijaijai (c) Fanny Schmoranzer

Und für die Pragmatiker: Dies hier ist eine ziemlich erfolgsversprechende Resilienzmaßnahme. So sehen arbeitsalltagstaugliche Gesichter aus. Einfach göttlich!

 

 

 

 

Sind wir nicht alle ein bisschen Borderline?

Wir schreiben an unserem Buch „Seelsorge mit der Borderline“. Jeden Tag bringt uns das ein bisschen an unsere Grenzen. Im Buch versuchen wir ausgehend von den Figuren in unserem Theaterstück Spuren zu Erfahrungen zu legen, die wir als Menschen alle kennen. Seelsorge hat aus unserer Sicht etwas mit Augenhöhe zu tun. Und wenn einem das Gegenüber schräg vorkommt, dann vielleicht nur, weil ich meine eigene Schrägheit noch zu gut vor mir und anderen versteckt habe. Also guckt doch nochmal genauer hin. Was seht ihr in diesem Bild? Es ist unsere Alice. Erkennt ihr ihre und unsere Borderline?

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Dramaqueen (c) Klara Gladisch

Erzähl mir (k)einen vom Pferd, Mann!

Wir machen wieder Ethiktheater an Schulen! Diesmal treffen wir den Barmherzigen Samariter auf den Straßen Deutschlands und Kain und Abel in Gestalt des Inhaftierten Magnus Gäfgen.

Wir sind am:

4. März John-Brinckmann-Gymnasium in Güstrow

5. März Geschwister-Scholl-Gymnasium in Bützow

26. März Borwin-Gesamtschule in Rostock

Momentan widmen wir uns wieder einmal unserem pädagogischen Anliegen: Dem Ethiktheater in Schulen. Im März werden wir an drei Gymnasien unterwegs sein und unser Ethiktheater mit Schülern und Schülerinnen der 8., 9. und 11. Klasse ausprobieren. In Güstrow und Bützow werden wir die Frage nach einem diakonischen Handeln an unserem Nächsten in einer modernen Adaption des Erzählung vom Barmherzigen Samariter nachgehen. Dazu werden wir wieder Szenen spielen und zusammen mit unserem Publikum überlegen, wer wie und warum handelt, was es für Alternativen gäbe und wie sie die einzelnen Varianten von Denk- und Handlungsmöglichkeiten bewerten würden. Wenn wir in all dem Rumprobieren dann auch noch auf eine Spur kommen, was ein gutes ethisches Handeln an Straßenkindern im aktuellen gesellschaftlichen Gefüge wäre, dann würde unser Projekt ein voller Erfolg.

Die Straßenjungs Fabian und Justus Cornelius, dessen Initialen nur etwas zufällig JC sind, werden gespielt von Victor und Tjark. Mal sehen, ob die beiden auf der Straße Freunde werden oder nur eine Notallianz bilden, die aus Geben und Nehmen unter den Gesetzen der Straße besteht. Auf die real vorfindlichen Bedingungen zu reagieren, wird Juri übernehmen: in seiner Rolle als Vater der Jungs, als Passant in Entscheidungsnöten und als Sozialarbeiter in einer Notschlafplatzeinrichtung.

In Rostock werden wir den Fall von Magnus Gäfgen aufgreifen, der 2003 den Bankierssohn Jakob von Metzler entführt und getötet hat. Hier werden wir zusammen mit den Schülerinnen und Schülern der Frage nach den Motiven nachgehen. Hilft eine Einsicht oder gar ein Einfühlen in die Beweggründe und Gefühle, in die Lebenssituation eines Menschen, um einen ethischen Konfliktfall zu verstehen oder gar zu rechtfertigen? Verdient ein Mörder eine zweite Chance? Wie ist unser aktuelles Strafsystem und darin insb. die Unterbringung in Haftanstalten zu bewerten? Gibt es Alternativen? Hier wird uns erneut die Geschichte von Kain und Abel als Interpretationsspur dienen. Ist Gäfgen vielleicht nicht nur Kain, sondern auch Abel? Und was würde Jakob, wenn er noch könnte, dazu sagen, wenn nicht nur er das Opfer ist, sondern auch sein Peiniger?

Unser Projekt ist eine Kooperation von John-Brinckmann-Gymnasium in Güstrow, dem Geschwister-Scholl-Gymnasium in Bützow und der Borwin-Gesamtschule in Rostock. Es wird finanziell unterstützt von der Stiftung Kirche mit Anderen in Mecklenburg-Vorpommern sowie der Domgemeinde in Güstrow. Dankeschön!

Grenzwertig

Die Proben wenige Tage vor einem Auftritt sind immer besonders spannend. Denn sie sind geprägt von Vorfreude, Aufregung und dem Gefühl, dass alles doch noch nicht so weit ist, wie wir dachten. Einbrüche sind da Teil des Programms, manchmal auch Abgründe. In Bezug auf unser aktuelles Borderline-Stück ist das ziemlich performativ. Aber wir sind ziemlich optimistisch, dass uns der Boden des Abgrundes nur dazu dienen kann uns für den Höhenflug abzustoßen. Wir hoffen, ihr seid am Donnerstag dabei. Denn das würde uns so richtig beflügeln.